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4 Arten von Vätern in Trennung & ihre Chancen auf Zufriedenheit

22. April 2019 // Autor: Carsten Vonnoh
Wie unterscheiden sich die Männer, die ich in meinen Gesprächen erlebe? Welche Auswirkungen hat das auf die Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten, um ihre Lebenssituation zu verbessern?
Von Carsten Vonnoh
 
 
Ich glaube, es gibt vier Arten von Vätern, die sich bei mir melden:
 
DIE SCHULDIGEN: Väter, die voller Schmerz und Verletzung sind, die immer versucht haben, das Richtige zu tun und nun doch maßlos enttäuscht wurden. Väter, die in dieser Situation die Schuld vor allem bei sich suchen: Was habe ICH falsch gemacht? Warum bin ICH nicht gut genug? Warum bin ICH es nicht wert, respektiert oder geliebt zu werden? Von der Trennung so getroffen und in ihrer Trauer so gefangen, ist es für sie schwer, aus den Negativ-Gedanken herauszukommen. Sie haben Schwierigkeiten dabei, ihre Grenzen & Bedürfnisse zu erkennen und zu kommunizieren, besonders wenn es um den Umgang mit ihrem Kind und Ihren Kräften geht. Aus Angst, ihr Kind wegen ihrer (alleinigen) Schuld ganz zu verlieren, geben sie oft an Stellen nach, die sich später als objektiv falsch herausstellen können. Die unbewusste Grundhaltung, die ich hier sehen könnte: ICH muss alles wieder gut machen, erst dann habe ich verdient, wieder (voller) Vater zu sein!
 
DIE EWIGEN KÄMPFER (UND OPFER): Väter, die voller Schmerz und Wut sind, die oft nur wenig Zugang zu ihren Kindern und kaum Möglichkeiten haben, sich mit der Mutter ihres Kindes sinnvoll auszutauschen. Väter, die die Schuld vor allem bei anderen sehen. Bei der Mutter, die bösartig, dumm oder krank ist (ja die Ausgeburt der Hölle); das inkompetente Jugendamt, der faule Anwalt, die einseitige Richterin, der Feminismus, der ganze Staat oder gar eine globale Verschwörung…nur sie selbst sind eigentlich für nichts in der aktuellen Situation verantwortlich. So können sie leicht darauf beharren, dass sich die Anderen bewegen müssen, endlich zeigen sollen, dass sie doch im Unrecht waren. Nun will ich nicht behaupten, es gäbe keine Ungerechtigkeit und Defizite im System: Ja, es gibt eine Menge Dinge, die gegenüber Vätern unfair sind, es gibt katastrophale Fehlentscheidungen und auch Mütter, die man wahrlich nicht mehr ernst nehmen kann. Die (unbewusste) Priorität dieser Väter liegt aber vor allem in der verzweifelten Aggression und dem Kampf, der fast alle Energie verbraucht und Selbstreflexion mit dem Ziel wirklicher Veränderung äußerst schwierig macht. Letztlich bleiben ich damit in einer Opfer-Haltung, die erwartet, dass sich die anderen ändern, damit es mir besser geht.
 
DIE ORIENTIERUNGSLOSEN AKTIVEN: Väter, die wissen, dass sie gerade in einer beschissenen Situation sind, ebenso Schmerz, Wut und Trauer empfinden, aber merken, dass es irgendwie nicht richtig weiter geht. Sie spüren, dass sie eigentlich bei sich anfangen müssten, um etwas zu ändern. Männer, die unterscheiden wollen, dass es Dinge bei sich selbst und bei anderen gibt, die gut und liebevoll sind, aber auch Dinge gibt, die einer besseren Lebenssituation im Weg stehen. Diese Männer haben trotz der vielen Schwierigkeiten den Blick auf das Kind und wissen, dass es, egal wie schlimm es aussieht, kein Schwarz und Weiß gibt, sondern viele Grautöne, die Möglichkeiten bieten, etwas anderes zu probieren. Viele kleine Versuche werden gestartet, aber Richtung und „Strategie“ ist nicht klar, so dass es schnell zu Frustration und Rückzug kommen kann.
 
DIE GELÄHMTEN: Diese Väter sind ebenso tief verletzt, vielleicht auch voller Wut, Trauer und Enttäuschung. Sie suchen aber alle Möglichkeiten, um dem aus dem Weg zu gehen, die Situation zu verdrängen: Alkohol und andere Drogen, übermäßiges Gezocke und Gesurfe, zu viel Arbeit, unzählige Serien, Videos und Nachrichten, helfen dabei, die eigentlichen Themen auszublenden und durch kleine (virtuelle) Glücksmomente, dem Schmerz entgegenzuwirken. Das kann lange erträglich sein. Aber der Willen und die Energie, neu anzufangen und sich auf sich und sein Kind zu konzentrieren, werden gelähmt.

Nun gibt es sicherlich noch mehr Kategorien, die man finden könnte und sicher hat jeder Vater seine eigene individuelle Geschichte. Viele werden merken, dass sie auch in mehr als eine Kategorie passen könnten. Mir ist es wichtig, jedem Mann immer wieder neu und ohne Vorbehalte zu begegnen, ihn wert zu schätzen und ernst zu nehmen. Dennoch kann ich beobachten, dass die eigene Haltung und Priorisierung entscheidend dafür ist, wie es Dir in Deiner Trennung geht und welche Handlungsmöglichkeiten es (theoretisch) für Dich gibt.

 

WAS HEIßT DAS NUN FÜR MEINE ARBEIT ALS COACH?
 
1. Bei den Männern, die die Schuld bei sich suchen und in negativen Denkspiralen gefangen sind, konzentriert sich meine Arbeit darauf, zu schauen, wie groß ihr Anteil wirklich ist, ihre Wahrnehmung „der Welt“ für einen Moment anzukratzen und sie ahnen zu lassen, dass Schuld hier nicht hilfreich ist. Fragen wie diese sind dann hilfreich: Wo bin ich doch guter Vater und Partner gewesen? Wie können wir diese Teile in Dir wieder stärken und wo kann es damit hingehen? Ich unterstütze sie dabei, aus diesem Teufelskreis des Selbstzweifels herauszukommen und für sich einen neuen Fokus zu entwickeln. Wenn diese Väter wirklich Verantwortung für ihre Situation übernehmen und sich langsam wieder wert schätzen, können hier schnell neue Ideen und Möglichkeiten entstehen.
 
2. Wenn Väter die meiste Energie und Zeit dadurch verbrauchen, gegen alles Mögliche zu kämpfen, weil sie meinen, das ist der einzige Weg und die Welt wird irgendwann anerkennen, wie schuldig sie ist und sich dann ändern, dann fällt es schwer, wirklich FÜR ETWAS zu kämpfen was über Floskel hinausgeht. Ja, was soll ich dann noch machen? Ich reiße mir doch schon den A***** auf und konfrontiere das Unrecht an allen Fronten!
Wenn eh immer die anderen für die eigene Situation verantwortlich sind, dann kann ich mich in dieser Opferposition einrichten, mich als großen Kämpfer darstellen und muss mich nicht mit meinen eher schwierigen Anteilen beschäftigen. Dann ist es auch für mich in der Beratung schwierig, neue Wege zu gestalten und zuzulassen, dass die Dinge vielleicht auch anders sind, als wir sie wahrnehmen. Dennoch habe ich auch mit diesen Männern die Erfahrung gemacht, dass es Zeit fürs Kämpfen und Zeit für sich selbst und seine eigenen Themen gibt.
 
3. Bei der dritten Kategorie ist es wohl am einfachsten: Hier ist die Idee schon da, dass es auch anders gehen könnte, ja muss. Die Erkenntnis, dass das, was ich bisher gemacht habe, nicht das erreicht, was ich gern hätte. Hier unterstütze ich dabei, klare Ziele zu entwickeln und Schritte zu machen, um sie zu erreichen, um selbstbestimmter und zufriedener zu werden. D.h. für mich: Fokus auf die Männer, die merken, dass sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen müssen und Unterstützung dabei brauchen, wie sie das anfangen sollen.
 
4. Die Gelähmten müssen „geheilt“ werden. Das kann aber oft niemand von außen „machen“, gerade wenn es um Sucht, Abkapselung und Flucht geht. Nur wenn die „gefangenen“ Väter ihr Verhalten wahrnehmen und merken, dass es so nicht weiter geht, kann mit Unterstützung nach neuen Wegen geschaut werden.
 
AUCH BEI MIR waren Wut und Trauer in meiner akuten Trennungszeit ständige Begleiter und ich hätte viele Dinge, vielleicht aus allen vier Kategorien, in mir sehen können. Aber die große Erschöpfung und Enttäuschung haben meinen Blick verengt und mein Vertrauen auf ein Minimum reduziert…

Erst als ich erkannt habe, dass ich nicht erwarten kann, von anderen glücklich gemacht zu werden, ich also für mein Leben die volle Verantwortung (zurück) gewinnen wollte, konnte es nach und nach aufwärts gehen. MEINE Haltung und MEINE Handlungen (und NICHT-HANDLUNGEN) haben den größten Einfluss darauf, wie es mir geht und welche Möglichkeiten ich für mich sehe und nutzen kann.

Nun stellt sich natürlich die Frage, WO WÜRDEST DU DICH DA SEHEN? Wie zielführend war das, was Du die letzten Wochen und Monate gemacht hast? Besonders wenn ihr auf euch selbst und euer Kind schaut? Habt ihr das Gefühl, das ist der einzige Weg? Ich glaube, gerade in so komplizierten Situationen wie in Trennungsfamilien gibt es NIE Schwarz und Weiß. Deshalb lohnt es sich, die Grautöne anzuschauen, wie auch immer die aussehen…und was sie bringen werden. Bei mir konnte es nur besser werden…

Hab eine gute Woche und vergiss nicht, dass Du in Deiner Situation nicht allein bist und sich mit Unterstützung und einer neuen Haltung eine Menge ändern kann! Unter meinen Angeboten für Väter und unter Seminare finden sich Möglichkeiten, wie das aussehen kann. Besonders mein Seminar nur für Trennungsväter kann ich Dir empfehlen.