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6 Tipps, um die Gefahr von Streit und Trennung nach der Geburt zu vermeiden

8. Juli 2021 // Carsten Vonnoh

Statistisch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Paar trennt nie so hoch wie in den ersten 6-12 Monaten nach der Geburt des ersten Kindes. Das klingt erschreckend, aber ich glaube, wenn Du schon eine Weile Vater bist, kannst Du das gut nachvollziehen, oder? Und wenn Dein Kind schon älter als 6 Monate ist: Glückwunsch, jetzt wird die Wahrscheinlichkeit immer geringer! Dennoch kann ich Dir dringend ein paar Punkte empfehlen, die Du präventiv im Blick behalten solltest, um Frustration, Erschöpfung und Streit nach der Geburt zu verringern:

6 Tipps, um die Gefahr von Streit und Trennung nach der Geburt zu vermeiden

Priorität 1 – Schlaf & Bewegung

Klingt banal, ist es aber überhaupt nicht! Nichts ist gefährlicher als in dieser Zeit der besonderen Herausforderungen auf wesentliche Körperbedürfnisse zu verzichten. Nichts ist gleichzeitig schwieriger, wenn man permanent an seine Grenzen kommt und gefühlt jeder Moment des Tages verplant ist. Dennoch, zögere nicht, einmal eine Nacht auf der Couch zu schlafen, auch wenn das nicht dem Familienbett-Ideal entspricht. Lass’ Deine Frau auch nachmittags einmal schlafen, wenn Du allein mit dem Kind rausgehen kannst. Versuche, die Nächte aufzuteilen, damit wenigstens einer halbwegs ausgeschlafen sein kann. Habt dabei euch selbst und den anderen immer gut im Blick! Schaut, dass ihr einfache tägliche Routinen etabliert, wie einen Spaziergang mit einem Kind oder das konsequente Einplanen von sportlichen Aktivitäten, am besten für beide, wenn möglich sogar mit Kind. (siehe die vielen Angebote, die es in manchen Gegenden mittlerweile gibt.)

Priorität 2 – Zeit für Dich selbst

Wenn man als junger Vater verantwortlich an Allem für das Kind teilhaben will, wirkt es schnell egoistisch oder achtlos, wenn man(n) plötzlich mal einen Abend etwas allein machen möchte! Gerade wenn klar ist, dass dann die Mutter Deines Kindes allein zu Hause ist. Dennoch ist das einer der wichtigsten Faktoren, damit eine Partnerschaft auch in so einer (natürlichen) Extremsituation besteht: Das Gefühl zu behalten, auch noch eigenständiger Mensch, ja Mann zu sein. Auch zu existieren, ohne dass sich alles um das Kind dreht. Natürlich ist es sinnvoll, das auch für die Mutter zu ermöglichen, auch wenn das vielleicht in den ersten Monaten schwieriger wird. Erst wenn ihr selbst das Gefühl habt, etwas an Freiheit behalten zu haben, dann könnt ihr euch mit diesem Gefühl wieder besser auf eure kleine Familie einlassen und der sein, der ihr als Vater und Partner gern sein wollt.

Priorität 3 – Zeit als Paar

Nach einer Trennung ist es oft so offensichtlich: Wir haben uns auseinandergelebt, aus den Augen verloren und am Ende konnten wir uns kaum noch ertragen. So schwierig das scheint, bleibe vor und nach der Geburt immer, wirklich immer mit der Mutter Deiner Kinder im Gespräch. Teile deine Schwierigkeiten, deine Bedürfnisse und Grenzen. Höre genau darauf, was Deine Partnerin Dir sagt, teile die immer wiederkommende Überforderung mit ihr. Allein das kann schon viel entlasten und den Aufbau von Frust reduzieren.

Versuche, mit Deiner Partnerin, wenigstens 2 Stunden in der Woche allein zu verbringen, beim Essen, im Wald, oder auf der Couch. Nutzt die Zeit bewusst, um euch auszutauschen, füreinander da zu sein, am Leben zu erhalten, was euch als Paar ausmacht.

Priorität 4 – Zeit mit den Kindern allein

Schon wenige Tage nach der Geburt ist es problemlos möglich, dass Du mit dem Kind auch allein Zeit verbringen kannst. Im Wagen, in der Trage oder im Arm könnt ihr Deiner Partnerin eine kurze Erholung ermöglichen und selbst eure volle Aufmerksamkeit auf euer Kind zu legen. Von Anfang an lernt ihr dadurch, dass ihr auch allein verantwortlich für euer Kind da sein könnt, viele seiner Bedürfnisse nach Nähe, gehalten und gehört zu werden befriedigen könnt. Auch wenn das in den ersten Monaten nicht allzu große Spannung bedeuten muss, könnt ihr so einen eigenen Stil entwickeln, wie ihr mit eurem Kind umgeht und viele kleine Entwicklungsschritte beobachten und begleiten. Ihr entwickelt Vertrauen in eure Fähigkeiten, merkt, dass ihr neben dem Stillen in den meisten Situationen ebenfalls Halt geben könnt und baut so eine tragfähige Bindung auf.

Präventiv ist das natürlich auch ein wichtiger Aspekt. Sollte eure Beziehung, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, doch nicht mehr tragen, seid ihr in der Lage, von Anfang an selbständig für die Kinder zu sorgen, habt eine bessere Beziehung und eine größere Souveränität im Umgang mit eurem Kind. Das hilft euch im Fall der Fälle, klar zu formulieren, wie für euch die neue Lebenssituation nach einer Trennung oder Scheidung akzeptabel ist und kann schwierige Kommunikation als Eltern vereinfachen, eine Eskalation vermeiden.

Priorität 5 – Überfordere Dich nicht in euren Ansprüchen

Es gibt so unsagbar viele Dinge, die man optimieren, bedenken, gestalten kann und vieles davon hat sicher seine Bedeutung. Aber keinem Kind nützt es etwas, wenn ihr zwar die tollsten, alternativsten Konzepte befolgt, aber bei jeder Auseinandersetzung an die Decke geht, ständig am Limit seid und die Atmosphäre zu Hause alles andere als liebevoll ist. Babys und Kleinkinder brauchen vor allem Nähe und Verlässlichkeit, die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und entwickeln. Dafür braucht es keine großen Fördermaßnahmen oder besondere Impulse von euch. Lasst eure Kinder frei das Spiel und die Welt entdecken und folgt ihren Impulsen.

Priorität 6 – Lerne von und für Dein Kind

Wir haben als Vater die Möglichkeit, uns völlig neu zu definieren, Unerwartetes und auch Schwieriges bei uns zu entdecken und im besten Falle so zu verändern, dass Du liebevoller und achtsamer für Dein Kind (und Dich selbst) da sein kannst. Dich so zu entwickeln, dass Du Dich immer mehr darauf konzentrieren kannst, was wirklich Sinn macht und Dir und Deinen Bedürfnissen entspricht. Dabei sind unsere Kinder die besten Spiegel.

Aber musst Du Dich ernsthaft als Vater weiterbilden? Viele Väter glauben, dass sie ja alles können müssen, selbst ja mal Kind waren und das schon „irgendwie hinbekommen“. Doch oft wissen wir gar nicht, ob der Weg, den wir gerade unbewusst in der Erziehung gehen, „gut“ ist. Es lohnt sehr, sich mit neuen Erziehungskonzepten zu beschäftigen! Zu hinterfragen, was als Standard angesehen wird, sich aber vielleicht überhaupt nicht gut im Zusammenspiel mit eurem Kind anfühlt. Zu lernen, warum Du in so manche Verhaltensmuster fällst, die Du schon als Kind als unfair oder übergriffig erlebt hast. Wenn Du so manche Fehler Deiner Eltern nicht wiederholen willst, ist es wichtig, überhaupt zu wissen, welche das sind und wie es auch anders gehen kann. Dafür lohnt sich der Austausch mit anderen Vätern, das Lesen guter Bücher (Link Buch) oder, wenn möglich, ein (regelmäßiges) Seminar (Link) zur Reflektion Deiner Vaterrolle, eurem Erziehungsstil und Alternativen in schwierigen Alltagssituationen.

Allgemeines

All die Dinge solltest Du nicht verschieben, nicht abwarten, dass es irgendwann schlimmer wird. Sondern in weiser Voraussicht immer im Blick behalten, auch wenn das viele in dieser Zeit gerade nicht schaffen. Vieles wird dadurch einfacher, fühlt sich weniger einengend und belastend an und hat das Potenzial, die bestmögliche Umgebung für euer Kind UND für euch zu schaffen.

Schaue Dir mein Seminarangebot an oder mache einen Termin für ein Kennlerngespräch, wenn Du glaubst, dass Dir Unterstützung im 1:1 gut tun würde.

 

Autor: Carsten Vonnoh, Väter in Verantwortung

 

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

Carsten Vonnoh Vater in Verantwortung

Meine Seminare für Väter sind für alle, die sich bewusst mit ihrer Vaterschaft auseinandersetzen, souveräner werden und ihre Vater-Kind-Beziehung weiter entwickeln wollen. Hier findet ihr die Seminare und Termine für 2021.